Niki Lauda war ein österreichischer Formel-1-Fahrer, der zwischen 1971 und 1985 dreimal Weltmeister wurde – 1975, 1977 und 1984 – und bis heute der einzige Pilot bleibt, der den Titel sowohl mit Ferrari als auch mit McLaren holte. Der Wiener überlebte 1976 einen der schwersten Unfälle der Motorsportgeschichte, kehrte nach nur 42 Tagen zurück ins Cockpit und baute sich anschließend mit Lauda Air, Niki und Laudamotion ein zweites Leben als Luftfahrtunternehmer auf. Bis zu seinem Tod am 20. Mai 2019 prägte er als Aufsichtsratschef von Mercedes-AMG Petronas eine der dominantesten Phasen der jüngeren Rennsportgeschichte.
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Vom Wiener Bürgertum auf die Rennstrecke
Andreas Nikolaus Lauda, geboren am 22. Februar 1949 in eine wohlhabende Wiener Industriellenfamilie, sollte eigentlich das Familienunternehmen übernehmen. Sein Großvater lehnte die Motorsportambitionen strikt ab und verweigerte jede finanzielle Unterstützung. Der junge Rennfahrer nahm daraufhin einen Kredit gegen seine eigene Lebensversicherung auf, um sich 1971 in das Formel-2-Team von March einzukaufen – ein Modell, das er in den folgenden Jahren mehrfach wiederholte, um überhaupt an konkurrenzfähiges Material zu kommen.
Sein Formel-1-Debüt gab der Österreicher 1971 beim Großen Preis von Österreich, zunächst noch ohne große Beachtung. Bei March blieb der Erfolg 1972 aus, 1973 wechselte er zu BRM – wieder gegen Bezahlung, wieder ohne konkurrenzfähiges Auto. Was in dieser Phase auffiel, war weniger das Ergebnis als die Arbeitsweise: akribisch, technisch versiert, kompromisslos in der Analyse des eigenen Fahrzeugs.
Ferrari, der Durchbruch und der erste Titel 1975
Genau diese analytische Klarheit war es, die Enzo Ferrari überzeugte, ihn 1974 unter Vertrag zu nehmen. Schon im ersten Jahr fuhr der neue Ferrari-Pilot auf Platz vier der Gesamtwertung. 1975 folgte der Durchbruch: Mit dem Ferrari 312T gewann er fünf Rennen – unter anderem in Monaco, Belgien und Schweden – und sicherte der Scuderia den ersten Fahrertitel seit fast einem Jahrzehnt. Für Maranello war es die Rückkehr an die Spitze, für den Wiener der erste von drei Weltmeistertiteln.
Niki Lauda und der Feuerunfall: Die Nürburgring-Tragödie 1976
Am 1. August 1976 verunglückte der Titelverteidiger beim Großen Preis von Deutschland auf der Nordschleife des Nürburgrings. Sein Ferrari 312T2 kam von der Strecke ab, prallte gegen eine Böschung, schleuderte zurück auf die Fahrbahn und wurde von zwei nachfolgenden Fahrzeugen erfasst. Der Wagen stand sofort in Flammen. Rund 55 Sekunden hing der Pilot eingeklemmt im brennenden Wrack, bevor ihn Streckenposten und Fahrerkollegen – darunter Arturo Merzario, Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl – aus dem Feuer zogen.
Die Verletzungen waren lebensbedrohlich: schwere Verbrennungen im Gesicht, giftige Dämpfe in der Lunge, ein Priester erteilte im Krankenhaus bereits die letzte Ölung. Was danach folgte, gilt bis heute als eines der eindrucksvollsten Comebacks im Sport überhaupt.
Comeback nach 42 Tagen
Nur sechs Wochen nach dem Unfall, mit noch sichtbar verbundenem Kopf, saß der Ferrari-Pilot beim Grand Prix von Italien in Monza wieder im Cockpit und wurde Vierter. Der Punkteverlust durch die zwei verpassten Rennen sollte sich am Saisonende bitter rächen: Beim regennassen Finale in Japan stieg er aus Sicherheitsgründen freiwillig aus dem Rennen aus und verlor die Weltmeisterschaft an James Hunt – mit nur einem Punkt Rückstand.
Zweiter Titel 1977 und der Bruch mit Ferrari
1977 gewann der Österreicher seinen zweiten Weltmeistertitel, diesmal mit dem Ferrari 312T2 gegen Jody Scheckter. Die Titelentscheidung fiel bereits vor Saisonende – die letzten beiden Rennen ließ er aus, weil er intern bereits den Wechsel zu Brabham vorbereitete. Das Verhältnis zu Ferrari war zerrüttet, öffentlich sprach er später offen über die politischen Spannungen im Team.
Bei Brabham folgten zwei Jahre ohne Titelkampf, dazwischen gewann er 1979 die erste Austragung der BMW M1 Procar-Serie. Mitten in der Saison 1979 zog sich der damals 30-Jährige überraschend aus dem Rennsport zurück – mit dem später oft zitierten Satz, er habe keine Lust mehr, im „Kreis der Zirkusaffen“ mitzufahren.
Zweites Leben: Lauda Air hebt ab
Bereits 1979 gründete er Lauda Air, die 1985 den Flugbetrieb aufnahm und sich über Jahre zu einem ernstzunehmenden Langstreckenanbieter mit Zielen wie Sydney, Bangkok und Hongkong entwickelte. Aus dem Rennfahrer war ein Airline-Unternehmer geworden – ein Rollenwechsel, der in der Motorsportwelt seinerzeit als Kuriosität belächelt wurde.
Rückkehr ins Cockpit: McLaren und der dritte Titel 1984
Der Ruhestand hielt nicht lange. McLaren-Teamchef Ron Dennis lockte ihn 1982 zurück in die Formel 1. 1984 lieferte er sich mit seinem eigenen Teamkollegen Alain Prost den bis heute knappsten Titelkampf der Formel-1-Geschichte – entschieden erst im letzten Rennen, mit einem Vorsprung von gerade einmal einem halben Punkt.
| Jahr | Team | Chassis | Wichtigster Rivale | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| 1975 | Ferrari | 312T | Emerson Fittipaldi | Erster Titel, Ferraris erster WM-Erfolg seit den 1960ern |
| 1977 | Ferrari | 312T2 | Jody Scheckter | Titel vor Saisonende fixiert, danach Wechsel zu Brabham |
| 1984 | McLaren | MP4/2 | Alain Prost | Engster Titelkampf der F1-Geschichte, nur 0,5 Punkte Vorsprung |
1985 endete die aktive Karriere endgültig, diesmal ohne Rückkehr.
Der Flugzeugabsturz von Bangkok 1991
Ein dunkles Kapitel seiner Unternehmerlaufbahn war der Absturz einer Lauda-Air-Boeing 767 nahe Bangkok 1991, bei dem 223 Menschen starben. Statt sich auf offizielle Erklärungen zu verlassen, reiste er selbst zur Absturzstelle und drängte so lange, bis Boeing einen technischen Fehler am Schubumkehrsystem einräumte – eine Konsequenz, die außerhalb der Luftfahrtbranche kaum bekannt ist, innerhalb aber bis heute als Präzedenzfall gilt.
Rückkehr an die Rennstrecke: Aufsichtsratschef bei Mercedes
Ab 2012 übernahm der frühere Weltmeister als Non-Executive Chairman die strategische Führung bei Mercedes-AMG Petronas und war maßgeblich daran beteiligt, Lewis Hamilton für die Saison 2013 vom Rivalen McLaren abzuwerben. Die Entscheidung erwies sich als Wendepunkt: Zwischen 2014 und seinem Tod 2019 dominierte das Team die Konstrukteurswertung praktisch durchgehend.
Krankheit, Transplantationen und Tod
Die gesundheitlichen Folgen des Unfalls von 1976 begleiteten ihn sein ganzes Leben. Zweimal unterzog er sich Nierentransplantationen, 2018 kam eine Lungentransplantation hinzu – notwendig geworden durch die Rauchgasschäden aus dem brennenden Ferrari 42 Jahre zuvor. Am 20. Mai 2019 starb er im Alter von 70 Jahren in einer Klinik in Zürich, acht Monate nach der Transplantation. Zur Trauerfeier in Wien kamen zahlreiche aktive und ehemalige Fahrer sowie Vertreter der gesamten Motorsportwelt.
Sein Leben wurde 2013 im Kinofilm „Rush“ verarbeitet, in dem Daniel Brühl seine Rivalität mit James Hunt nachzeichnete. Die Bilanz seiner Karriere bleibt einzigartig: drei WM-Titel mit zwei verschiedenen Teams, drei gegründete Fluggesellschaften und eine der prägendsten Führungsrollen der modernen Formel-1-Geschichte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie ist Niki Lauda gestorben?
Niki Lauda starb am 20. Mai 2019 im Alter von 70 Jahren in einer Klinik in Zürich, acht Monate nach einer Lungentransplantation, die durch die Spätfolgen seines Feuerunfalls von 1976 notwendig geworden war.
Wie viele Weltmeistertitel hat Niki Lauda gewonnen?
Niki Lauda gewann drei Formel-1-Weltmeistertitel: 1975 und 1977 mit Ferrari sowie 1984 mit McLaren. Er ist der einzige Fahrer, der den Titel mit beiden Teams holte.
Was ist bei Niki Laudas Unfall am Nürburgring passiert?
Am 1. August 1976 verunglückte Lauda beim Großen Preis von Deutschland, sein Ferrari fing Feuer, und er wurde von Streckenposten und Fahrerkollegen aus dem brennenden Wrack gerettet. Er erlitt schwere Verbrennungen und kehrte bereits 42 Tage später ins Renncockpit zurück.
Welche Fluggesellschaften hat Niki Lauda gegründet?
Niki Lauda gründete im Laufe seines Lebens drei Fluggesellschaften: Lauda Air (1979/1985), Niki (2003) und Laudamotion (2016), die spätere Basis von Lauda Europe.
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