Sophie von der Tann ist die deutsche Journalistin, die von August 2021 bis Juli 2026 als Nahost-Korrespondentin der ARD in Tel Aviv über Israel, den Gazakrieg und das Westjordanland berichtete. Die gebürtige Kasselerin, eigentlich Sophie Henny Elinor Freiin von und zu der Tann-Rathsamhausen, wurde für ihre Berichterstattung über den 7. Oktober 2023 mehrfach ausgezeichnet – geriet zugleich aber ins Zentrum einer der heftigsten Medienkontroversen der letzten Jahre. Im Sommer 2026 endete turnusgemäß ihre Entsendung, Nachfolgerin wurde Pia-Marie Steckelbach.
Herkunft: Eine Journalistin aus dem Adelsgeschlecht von der Tann
Wer die Karriere der Reporterin verstehen will, kommt an ihrer Familiengeschichte nicht vorbei. Aufgewachsen ist sie in Tann in der Rhön, dem Stammsitz des Adelsgeschlechts von der Tann mit dem namensgebenden Schloss. Ihre Mutter, Christiane Freifrau von und zu der Tann-Rathsamhausen, arbeitet als Fachanwältin für Medizinrecht. Ihr Vater, Michael von der Tann, ist Diplom-Agraringenieur und leitete bis Juni 2022 den Hessischen Waldbesitzerverband. Mit dem Journalisten Hartmann von der Tann ist sie entfernt verwandt. Die Familie ist seit der Reformation eng mit der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel verbunden – ein Detail, das angesichts ihrer späteren Schwerpunkte auf Religion und Nahost-Geschichte fast wie eine Vorahnung wirkt.
Bildungsweg zwischen Fulda, Oxford und New York
Schon mit 16 Jahren sammelte sie erste Redaktionserfahrung – bei einem Praktikum beim ZDF in Washington, D.C. Nach dem Abitur am Domgymnasium Fulda begann sie ihr Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bevor sie nach Oxford wechselte. Dort erwarb sie zwischen 2011 und 2014 einen Bachelor in Theologie und Orientalistik.
Danach folgte ein gemeinsam von der Columbia University in New York und der London School of Economics angebotener Masterstudiengang in Internationaler Geschichte. Ihre Abschlussarbeit beschäftigte sich mit der Entwicklung und Verbreitung des Begriffs der „jüdisch-christlichen Tradition“ im Nachkriegsdeutschland – betreut unter anderem von der Journalistik-Dozentin Lisa Pollak. Zwischen 2010 und 2016 wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Aus dieser Zeit stammen auch ihre Sprachkenntnisse: Hebräisch, Arabisch, Englisch und Französisch spricht sie fließend.
Vom Volontariat beim BR ins Hauptstadtstudio
Ihr journalistisches Handwerk lernte die junge Reporterin von 2016 bis 2018 beim Bayerischen Rundfunk – einen Teil des Volontariats absolvierte sie bereits in Tel Aviv. Im August 2018 gründete sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen den Instagram-Nachrichtenkanal „News-WG“. Für dieses Format wählte das „Medium Magazin“ das Team 2019 zu den Top-30-Nachwuchsjournalisten unter 30 Jahren, zudem erhielt die Gruppe den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten.
Ab November 2018 arbeitete sie im BR/ARD-Hauptstadtstudio zu bundespolitischen Themen mit Schwerpunkt Umwelt- und Klimapolitik und initiierte den Tagesschau-Zukunftspodcast „Mal angenommen“ mit.
Sophie von der Tann als Korrespondentin in Tel Aviv
Seit August 2021 saß sie im ARD-Studio Tel Aviv und lieferte Analysen, Reportagen und Audiobeiträge zu Israel und den palästinensischen Gebieten – von Klettertouren als „Auszeit vom Konflikt“ im Westjordanland bis zu Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern in Ost-Jerusalem. In einem Gespräch mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin beschrieb sie den Balanceakt dieses Jobs sehr direkt: Kriegsberichterstattung rund um Gaza und das Westjordanland sei technisch wie emotional enorm fordernd, unabhängige Verifikation vor Ort oft schlicht unmöglich.
Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza
Den größten öffentlichen Widerhall erzielte ihre Arbeit nach den Terrorangriffen der Hamas am 7. Oktober 2023. Im Februar 2024 reiste sie – begleitet von der israelischen Armee – erstmals seit dem Angriff in den Gazastreifen. Ihre Berichte über den Krieg, die humanitäre Lage und das Leben in Tel Aviv unter permanenter Anspannung machten sie einem Millionenpublikum bekannt.
Auszeichnungen und Anerkennung
Für ihre Nahost-Berichterstattung häuften sich in kurzer Zeit renommierte Preise:
| Jahr | Auszeichnung | Anlass / Kategorie |
|---|---|---|
| 2019 | Axel-Springer-Preis für junge Journalisten | Instagram-Format „News-WG“ |
| 2024 | Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises | Berichterstattung über den 7. Oktober und Gaza |
| 2024 | Journalistin des Jahres (Medium Magazin) | Kategorie „Reportage national“ |
| 2024 | Blauer Panther – TV & Streaming Award | Kategorie Information / Journalismus |
| 2025 | Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis | Nahost-Berichterstattung |
BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs lobte anlässlich des Fernsehpreises ihre „Gabe, komplexe Zusammenhänge in klugen, verständlichen Sätzen zu transportieren“.
Kontroversen: Kritik aus Israel, Solidarität aus der Branche
Gerade die letzte Auszeichnung entzündete eine breite Debatte. Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, warf ihr wiederholt „Aktivismus statt Journalismus“ und eine „Dämonisierung Israels“ vor – unter anderem nachdem sie einen Gastbeitrag geteilt hatte, der den Gaza-Feldzug mit dem Holocaust verglich. Auch die Jüdische Allgemeine kritisierte die Preisverleihung scharf.
Im Dezember 2025 eskalierte ein weiterer Streitpunkt: In einem Gespräch mit einem bayerischen Antisemitismusbeauftragten hatte sie auf die „Vorgeschichte“ des Gazakriegs verwiesen, die bis ins Osmanische Reich zurückreiche – für Kritiker ein Anlass, ihr Verharmlosung zu unterstellen. Die Gegenreaktion aus der Branche fiel deutlich aus: 72 Nahost-Korrespondentinnen und -Korrespondenten verteidigten sie in einem offenen Brief gegen eine „Diffamierungskampagne“. Mehr als 60 weitere deutschsprachige Journalistinnen und Journalisten schlossen sich an, Reporter ohne Grenzen verurteilte die Kampagne als Angriff auf die Pressefreiheit.
Prominente Stimmen wie Götz Hamann (Zeit), Christoph Reuter (Spiegel), René Martens (Übermedien) und der frühere Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle bezeichneten die Vorwürfe als überzogen und substanzlos. Der Historiker Meron Mendel brachte es auf den Punkt: Wer aus dem Nahen Osten berichte, könne angesichts der polarisierten Wahrnehmung des Konflikts nie alle Seiten zufriedenstellen.
Rückkehr nach Deutschland: Ende einer Ära in Tel Aviv
Am 14. Juli 2026 gab der Bayerische Rundfunk bekannt, dass die Entsendung Ende Juli turnusmäßig auslief – wie bei allen ARD-Korrespondenten nach spätestens fünf Jahren üblich. Ab dem 1. September 2026 übernahm Pia-Marie Steckelbach das Studio Tel Aviv, die scheidende Korrespondentin kehrte nach München zurück. Trotz des routinemäßigen Charakters des Wechsels ordneten mehrere Medien den Abschied auch als Schlusspunkt einer außergewöhnlich konfliktreichen Amtszeit ein.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie alt ist Sophie von der Tann?
Sophie von der Tann wurde am 29. April 1991 in Kassel geboren und ist damit Mitte 30.
Welche Sprachen spricht Sophie von der Tann?
Sie spricht fließend Hebräisch, Arabisch, Englisch und Französisch neben ihrer Muttersprache Deutsch – erlernt während ihres Studiums und ihrer Reisen im Nahen Osten.
Warum wurde Sophie von der Tann kritisiert?
Israelische Offizielle, darunter Botschafter Ron Prosor, warfen ihr einseitige Berichterstattung vor. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen sowie Reporter ohne Grenzen wiesen diese Vorwürfe als unbegründete Kampagne zurück.
Wer folgt Sophie von der Tann als ARD-Korrespondentin in Tel Aviv nach?
Zum 1. September 2026 übernahm Pia-Marie Steckelbach das ARD-Studio Tel Aviv, nachdem die reguläre fünfjährige Entsendezeit ihrer Vorgängerin ausgelaufen war.
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